Die Welt der Kinder dreht sich manchmal in einem Tempo, das Eltern kaum mithalten können. Besonders, wenn es um Trends, Memes und Sprachphänomene geht, die wie aus dem Nichts auftauchen und plötzlich allgegenwärtig sind. Das neueste Phänomen, das Klassenzimmer, Schulhöfe und Familientische erobert hat? Ein scheinbar sinnloses „Sechs-Sieben“, das Kinder unablässig wiederholen und das Eltern in ganz Deutschland vor Rätsel stellt.
Das mysteriöse „Sechs-Sieben“ – Ein neues Sprachphänomen erobert den Alltag
Es beginnt meist harmlos: Ein Kind kommt aus der Schule nach Hause und murmelt plötzlich „Sechs-Sieben“ vor sich hin. Beim Abendessen wiederholt es die Zahlenfolge, beim Hausaufgaben machen ebenso. Die Geschwister schnappen es auf, und bald hallt es durch das ganze Haus. Eltern reiben sich verwundert die Augen – was hat es mit diesen zwei Zahlen auf sich?
Der „Sechs-Sieben“-Trend ist im Grunde ein Meme, das seinen Ursprung im Song „Doot Doot (6 7)“ des Künstlers Skrilla hat. Gleichzeitig verwenden Kinder die Phrase auch in Bezug auf den NBA-Basketballspieler LaMelo Ball, der 6 Fuß und 7 Zoll (etwa 2,01 Meter) groß ist. Auf TikTok – der offensichtliche Übeltäter, der diese Phrase populär gemacht hat – sind Videos von LaMelo Ball, unterlegt mit dem Lied, viral gegangen.
Die Folge: Pre-Teens und Teenager haben begonnen, ihre eigenen „Sechs-Sieben“-Videos zu erstellen und die Phrase ständig zu wiederholen. Oft begleiten sie den Ausruf mit einer auf-und-ab-Handbewegung, was manche Eltern zur Vermutung führt, es könnte „so lala“ bedeuten.
Doch das Faszinierende daran: Selbst die Kinder können meist nicht erklären, was „Sechs-Sieben“ eigentlich bedeutet. Einige meinen, es beschreibe eine große Person, andere behaupten, es sei ein Basketballbegriff, und wieder andere zucken einfach mit den Schultern.
Die Macht der sinnfreien Sprachtrends bei der Generation Alpha
Das Phänomen „Sechs-Sieben“ reiht sich ein in eine lange Tradition von Sprachtrends unter Kindern und Jugendlichen. Die Besonderheit liegt jedoch in der Geschwindigkeit, mit der sich solche Trends heute verbreiten. Was früher Wochen oder Monate brauchte, um von Schulhof zu Schulhof zu wandern, erreicht heute dank sozialer Medien innerhalb von Stunden Millionen junger Menschen.
Für die Generation Alpha – also Kinder, die nach 2010 geboren wurden – sind diese viralen Sprachphänomene ein wichtiger Teil ihrer kulturellen Identität. Sie schaffen eine Art Geheimsprache, die Zugehörigkeit signalisiert und gleichzeitig eine Abgrenzung von der Erwachsenenwelt ermöglicht. Wenn Eltern ratlos die Stirn runzeln, während ihre Kinder „Sechs-Sieben“ skandieren, ist das nicht nur ein Nebeneffekt – es ist Teil des Reizes.
Eine junge TikTok-Nutzerin brachte es auf den Punkt, als sie unter einem „Sechs-Sieben“-Video kommentierte: „Ich glaube, der Witz ist, dass es keinen Sinn ergibt.“ Ein anderer User fügte hinzu: „Es ist provokativ.“ Und genau darin liegt die Essenz vieler Jugendtrends: Sie müssen nicht unbedingt einen tieferen Sinn haben – manchmal reicht es, wenn sie unterhaltsam sind und Erwachsene verwirren.
Die scheinbar sinnlosen Sprachtrends unserer Kinder sind nicht bloß alberne Zeitvertreibe – sie sind moderne Rituale der Zugehörigkeit in einer digitalen Welt, in der Identität und Gemeinschaft neu definiert werden.
Wenn „Sechs-Sieben“ den Unterricht sprengt – Lehrkräfte am Limit
Während Eltern zu Hause noch schmunzelnd den Kopf schütteln können, stellt der „Sechs-Sieben“-Trend für Lehrkräfte eine echte Herausforderung dar. In den sozialen Medien häufen sich Berichte von Pädagoginnen und Pädagogen, die mit dem Phänomen an ihre Grenzen stoßen.
„Meine Viertklässler sagen ständig ‚Sechs-Sieben‘, es ist nervig“, schrieb eine Lehrerin unter einem TikTok-Video zum Thema. Ein Schüler kommentierte: „Unsere Lehrerin hat uns verboten, ‚Sechs-Sieben‘ zu sagen.“ In einem Reddit-Thread teilte eine Achtklasslehrerin ihre Erfahrung: „Ich bin so müde, es zu hören, dass ich es in meinem Klassenzimmer verboten habe. Man kann die beiden Zahlen nicht hintereinander sagen, ohne dass die Klasse in einen Chor von ‚Sechs-Sieben‘ ausbricht. Es war anfangs lustig, aber jetzt ist es einfach nur noch alt und unterbricht ständig viele Klassengespräche.“
Der Trend hat sich so tief in den Wortschatz der Generation Alpha eingebettet, dass es kaum ein Zurück zu geben scheint. Für Lehrkräfte bedeutet das: Sie müssen entweder kreative Wege finden, mit dem Phänomen umzugehen, oder klare Grenzen setzen, um den Unterrichtsfluss zu wahren. Einige haben bereits „Sechs-Sieben“-freie Zonen in ihren Klassenzimmern eingerichtet oder alternative Ausdrucksformen gefördert.
Interessanterweise ist diese Dynamik nicht neu. Jede Generation hatte ihre sprachlichen Eigenheiten, die Erwachsene zur Verzweiflung brachten – von „knorke“ über „geil“ bis hin zu „swag“. Der Unterschied heute liegt in der Geschwindigkeit und Intensität, mit der sich solche Trends verbreiten und den Alltag durchdringen.
Besorgniserregend oder nur nervig? Was Eltern wissen sollten
Wenn das eigene Kind plötzlich unablässig „Sechs-Sieben“ ruft, stellen sich viele Eltern die Frage: Sollte ich besorgt sein? Die kurze Antwort lautet: wahrscheinlich nicht – aber der Kontext ist entscheidend.
Heranwachsende haben seit jeher sinnfreie Phrasen verwendet, um Reaktionen von Erwachsenen zu provozieren. In früheren Generationen war es vielleicht der Slogan „21“ des Rappers 21 Savage oder der noch ältere Ausdruck „23 skidoo“ (was so viel bedeutete wie „Verschwinde von hier“) aus den frühen 1900er Jahren. Es scheint also nur logisch, dass die Entwicklung mit „Sechs-Sieben“ weitergeht.
Allerdings ist es wichtig zu wissen, woher die Phrase stammt. „Sechs-Sieben“ hat seinen Ursprung in einem Rap-Song mit expliziten und gewaltverherrlichenden Texten. Während Ihr Kind möglicherweise den vollständigen Kontext nicht versteht – oder das ganze Lied gar nicht kennt – kann das Wiederholen von Phrasen ohne Kenntnis ihrer Bedeutungen zu Problemen führen, besonders in Umgebungen wie der Schule. Wie bereits erwähnt, schätzen die meisten Lehrkräfte es nicht, wenn Kinder „Sechs-Sieben“ quer durch das Klassenzimmer rufen; es kann als unangemessen angesehen werden.
Wenn Ihr Kind die Phrase verwendet, könnte es hilfreich sein, nachzufragen, wo es sie gehört hat und was es glaubt, dass sie bedeutet. Dies kann eine gute Gelegenheit sein, um über Medienkompetenz, verantwortungsbewusste Sprache und das Verständnis des Kontexts der Inhalte zu sprechen, mit denen sie online in Kontakt kommen.
Vom Trend zum Gespräch – Wie Eltern reagieren können
Statt den „Sechs-Sieben“-Trend einfach nur zu erdulden oder zu verbieten, können Eltern ihn als Anlass für wertvolle Gespräche nutzen. Hier einige Ansätze, wie Sie konstruktiv mit dem Phänomen umgehen können:
Zeigen Sie echtes Interesse: Fragen Sie Ihr Kind, was der Ausdruck für sie bedeutet und warum er so faszinierend ist. Manchmal verstehen Kinder selbst nicht ganz, warum sie bestimmte Trends mitmachen – das Gespräch darüber kann ihnen helfen, ihre eigene Motivation zu reflektieren.
Teilen Sie Ihre eigenen Erfahrungen: Erzählen Sie von Sprachtrends aus Ihrer Jugend. Dies kann eine Brücke schlagen und zeigen, dass Sie ähnliche Phasen durchlebt haben. Vielleicht erinnern Sie sich an „cool“, „mega“, „hammer“ oder andere Ausdrücke, die Ihre Eltern verwirrten?
Setzen Sie angemessene Grenzen: Erklären Sie, dass es Orte und Situationen gibt, in denen bestimmte Ausdrücke nicht angebracht sind. In der Schule, bei den Großeltern oder in formellen Situationen sollten andere Sprachregister gelten.
Nutzen Sie den Moment für Medienerziehung: Sprechen Sie darüber, wie Trends entstehen und sich verbreiten. Diskutieren Sie, wie soziale Medien unser Verhalten beeinflussen und wie wichtig es ist, Inhalte kritisch zu hinterfragen, statt sie einfach zu übernehmen.
Bewahren Sie Humor: Manchmal ist ein gemeinsames Lachen über die Absurdität solcher Trends die beste Reaktion. Wenn Sie sich selbst nicht zu ernst nehmen, können Sie die Situation entspannen und gleichzeitig eine positive Beziehung zu Ihrem Kind pflegen.
Die Sprachevolution unserer Kinder – Ein Blick in die Zukunft
Der „Sechs-Sieben“-Trend wird vermutlich so schnell verschwinden, wie er gekommen ist. Schon bald wird ein neuer Ausdruck, ein neues Meme oder ein neues Sprachphänomen die Kinderwelt erobern. Doch was bleibt, ist die grundlegende Dynamik: Kinder und Jugendliche werden immer Wege finden, ihre eigene Kultur zu schaffen, die sich von der Erwachsenenwelt abgrenzt.
Für viele Eltern mag dies frustrierend sein, doch es ist ein normaler und wichtiger Teil der Entwicklung. Durch diese sprachlichen Experimente lernen Kinder, mit Identität zu spielen, Gruppenzugehörigkeit zu signalisieren und kreativ mit Sprache umzugehen – alles wertvolle Fähigkeiten für ihr späteres Leben.
Interessant ist auch die zunehmende Verschmelzung von Online- und Offline-Welten in der Sprache der jüngeren Generationen. Memes, TikTok-Trends und virale Phänomene werden nahtlos in den Alltag integriert. Dies spiegelt die veränderte Medienlandschaft wider, in der digitale Inhalte nicht mehr vom „echten Leben“ getrennt sind, sondern ein integraler Bestandteil davon.
Experten für Kinderentwicklung sehen in diesen Sprachtrends auch positive Aspekte: Sie fördern die Kreativität, stärken soziale Bindungen und helfen Kindern, ihre Umgebung spielerisch zu erkunden. Solange die Inhalte altersgerecht sind und grundlegende Kommunikationsfähigkeiten nicht beeinträchtigen, besteht kein Grund zur Sorge.
Fazit: Zwischen Verständnis und klaren Grenzen
Der „Sechs-Sieben“-Trend ist mehr als nur ein flüchtiges Sprachphänomen – er ist ein Fenster in die Welt unserer Kinder und ihre Art, Gemeinschaft zu erleben. Statt sich über die scheinbar sinnlose Wiederholung zu ärgern, können Eltern die Gelegenheit nutzen, um ihre Kinder besser zu verstehen und wertvolle Gespräche über Medienkonsum, Gruppendynamik und angemessene Kommunikation zu führen.
Gleichzeitig ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen, wenn der Trend den Familienalltag oder das Lernen in der Schule beeinträchtigt. Ein ausgewogener Ansatz aus Interesse, Verständnis und angemessenen Regeln hilft Kindern, die Balance zwischen kreativer Selbstentfaltung und sozialer Anpassungsfähigkeit zu finden.
Und wer weiß – vielleicht werden Sie sich in einigen Jahren mit einem Schmunzeln an die Zeit erinnern, als „Sechs-Sieben“ Ihr Familienleben auf den Kopf stellte, bevor es von neuen, ebenso rätselhaften Trends abgelöst wurde. Denn eines ist sicher: Die Sprache unserer Kinder wird sich weiterentwickeln, und wir Eltern werden immer wieder aufs Neue staunen, schmunzeln und manchmal auch den Kopf schütteln.
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